Schlimme Lebensbedingungen unter denen viele Kinder in Sri Lanka leiden.

 

Damit Sie die Lebensbedingungen, unter denen viele unserer Mädchen vorher leben mussten, besser verstehen können, möchte ich Ihnen als Beispiel Susilas Geschichte erzählen.

 

Susilas Familiensituation ist bei Weitem kein Einzelfall.


Sie ist vergleichbar mit den Bedingungen, unter denen die meisten unserer Mädchen leben mussten.

Susila ist 9 oder 10 Jahre alt, genau weiß sie es allerdings nicht. Sie lebte mit Vater, Mutter und drei Geschwistern in einer kleinen Holzhütte. Dort gibt es nur einen Raum, der zum Leben und Schlafen von der ganzen Familie genutzt wird. In die Hütte kommt nur sehr wenig Tageslicht, da es nur ein Fenster mit einem Gitter gibt. Außen ist ein Klappladen, der nachts geschlossen wird.


Auf dem Dach liegen Asbest-Wellplatten, die sind billig zu haben und für die schwachen Holzwände wären Tonziegeln viel zu schwer. Dass viele der Wellplatten zerbrochen sind und Wind und Regen die giftigen Asbestfasern in der ganzen Hütte verteilen, stört hier niemanden.


Da das Zimmer keine Zwischendecke hat, kann man nachts durch die vielen Löcher der Dachplatten die Sterne am Himmel sehen. Wenn es regnet wird es allerdings ungemütlich. Dann werden alle verfügbaren Gefäße untergestellt, damit der Schlafplatz trocken bleibt. In der Ecke steht das einzige Bett, das die Familie besitzt. Die Matratze ist mit Kokosfasern gefüllt und hat schon viele Mulden. Sie riecht auch nicht mehr angenehm und sicherlich hat sich auch Ungeziefer darin eingenistet. Deshalb schläft Susila lieber auf dem harten Fußboden. Sie haben Glück, in ihrer Hütte ist der Fußboden aus Beton. In der Nachbarhütte ist der Boden nur aus gestampftem Lehm.

 

Auf dem Fußboden ist es schön kühl, denn auch nachts ist es in Sri Lanka sehr heiß. Ein Ventilator wäre jetzt schön, denkt Susila, aber leider gibt es keinen Stromanschluss.

Einen Kleiderschrank haben sie nicht. Alle Kleider liegen wild übereinander auf einem kleinen Holzgestell. Wenn es tagelang regnet, trocknen die Kleider nicht mehr richtig und die Feuchtigkeit lässt die Wäsche modern.


Da es keinen elektrischen Strom gibt, geben Kerzen ein wenig Licht. In Sri Lanka wird es bereits um 6 Uhr abends dunkel, deshalb ist die Nacht sehr lange. In der Stube stehen ein kleiner Tisch und zwei Stühle. Wenn alle gleichzeitig im Zimmer sind, müssen sich einige aufs Bett setzen. Neben dem Zimmer ist ein kleiner Holzverschlag angebaut, in dem sich die Küche befindet.  Kücheneinrichtung in einer Hütte
Die Wände und auch der Fußboden sind dort schwarz vom vielen Ruß. Der Herd ist eine offene Feuerstelle. Dort lodern Holzzweige zwischen Steinen. Wenn die Mutter das Feuer anmacht, ist die kleine Küche voller Rauch, der in den Augen brennt. Durch die Löcher im Dach kann der Rauch abziehen. Das Brennholz für die Küche sammeln Susila und ihre Geschwister in der Umgebung ein.
Dort liegen oft trockene Palmwedel, die die Palmen abwerfen.
Die brennen besonders gut, sagt Susila. Auch trockene Kokosnussschalen sammeln die Kinder, damit kann man das Feuer lange am Brennen halten.
Kochen unter einfachsten Bedingungen in einer Hütte in Sri Lanka

Auch die Kochgefäße aus Ton sind voller Ruß. Sauber werden die schon lange nicht mehr.
Es gibt genau sechs Teller und sechs Tassen, eine für jeden in der Familie. Kaum ein Teller oder Tasse hat noch keine Macken. Besteck brauchen sie nicht, gegessen wird mit den Fingern. Auf einem Brett, das auf zwei großen Steinen liegt, werden die Lebensmittel zubereitet.
Es war vorher eine ausrangierte Tür, deren alte Ölfarbe mit jedem Messerschnitt etwas mehr abbröckelt.

Die Gewürze, Salz, Zucker und Öl stehen in alten Konservendosen und ausgedienten Plastikflaschen auf einem Brett. In der Zuckerdose sieht man oft winzig kleine, schwarze Punkte, die sich bewegen. Das sind winzige Ameisen, die hier überall zu finden sind.

 

Schon lange kauft die Mutter nur den billigsten Reis. In diesem Reis sind noch viele Schalen und kleine Steinchen, die unangenehm knirschen, wenn man draufbeißt. Deshalb helfen alle Kinder fleißig mit und sortieren die kleinen Steinchen und Schalen aus dem Reis.mühsam müssen kleine Steinchen aus dem Reis aussortiert werden
Mehrmals muss die Mutter den Reis vor dem Kochen waschen,

bis der ganze Sand ausgewaschen ist.
Zum Reis gibt es meistens nur Gemüse, für Fisch oder Geflügel reicht das Geld nicht.


Es gibt auch kein fließendes Wasser. Hinter der Hütte ist zum Glück ein tiefer Brunnen, der hoffentlich noch lange frisches Wasser für die Familie liefert. Auch die Kleinen werfen schon geschickt den Blecheimer an einem langen Seil in den tiefen Brunnen und ziehen ihn gefüllt mit kühlem Wasser wieder hoch. Eine Toilette gibt es auch nicht. Morgens und abends gehen alle zum kleinen Bach in der Nähe. Auch viele Nachbarn benutzen ihn als Toilette. Am Tag waschen die Frauen die Kleider mit Kernseife im Bach. Auf den großen Steinen schlagen sie mit kräftigen Schlägen den Schmutz aus den Kleidern. Dann werden die gewaschenen Teile auf den umstehenden Büschen zum Trocknen verteilt, das sieht schön bunt aus, sagt Susila. Dass die Dornen an den Büschen immer wieder neue Löcher in die Kleider reißen, stört sie nicht.

 

 

Früher, als der Vater noch zur Arbeit ging, hatten sie genug Geld zum Leben. Hilfsarbeiten beim Schreiner hat der Vater gemacht. Viel Geld hat er dafür nicht bekommen, aber es hat für die Familie gereicht. Er hat keinen Schulabschluss, da er nur ein paar Jahre zur Schule ging. Deshalb hat er auch keinen gut bezahlten Beruf. Als der Schreiner nicht mehr genug Aufträge bekam, hat er ihn einfach entlassen. Arbeitslosengeld vom Staat gibt es in Sri Lanka nicht, auch gibt es keine staatliche Unterstützung für mittellose Familien. Jeder muss sehen, wie er selbst zurechtkommt. Der Vater ist daran zerbrochen. Immer öfter kam er betrunken heim. Dann hat er laut geschrien und oftmals auch grundlos geschlagen. Das wenige Geld, das sie noch hatten, hat der Vater für Alkohol und auch für Drogen ausgegeben. Sein ganzer Mund und besonders die wenigen Zähne, die er noch hat, sind vom Kauen der Betelnuss rot gefärbt.
Diese Droge hilft ihm wohl dabei für kurze Zeit seine hoffnungslose Situation zu ertragen. Der billige Arrak und die Drogen haben mittlerweile seine Gesundheit ruiniert. Er ist längst nicht mehr in der Lage einer Beschäftigung nachzugehen. Der Aufenthalt im staatlichen Krankenhaus war zwar kostenlos, aber die Medikamente mussten bezahlt werden.

 

Auch die Mutter hat keine Berufsausbildung. Genau wie der Vater ging sie nur wenige Jahre regelmäßig zur Schule. Lesen, schreiben und rechnen kann sie nicht. Wie soll sie jetzt allein für die Familie sorgen? Auch Susila und ihre Geschwister haben kaum eine Schule besucht. Es ist zwar Schulpflicht in Sri Lanka, aber die Behörden kontrollieren viel zu wenig, ob die Kinder auch tatsächlich zur Schule gehen. Dann sind da noch die Kosten. Die öffentlichen Schulen sind zwar kostenlos, aber in Sri Lanka gibt es Schuluniformen. Den Stoff stellt die Schule, nähen muss man die Kleidung aber selbst. Leider hat die Mutter keine Nähmaschine, sie müsste zum Schneider gehen und dafür bezahlen. Auch die Schulschuhe sind vorgeschrieben. Weiße, geschlossene Schuhe für die Mädchen und schwarze für die Jungs müssen es sein. Bei vier Kindern sind das ungefähr 3.000 Rupien. Dann braucht auch noch jedes Kind eine Schultasche und jede Menge Schulsachen. Jeden Morgen und Nachmittag ist auch noch das Fahrgeld für den Schulbus zu zahlen. An einem Schulausflug teilzunehmen, daran war nicht zu denken. Bei einem Monateinkommen von nicht mal 10.000 Rupien für einen Hilfsarbeiter fast ein Drittel nur für Schulschuhe auszugeben, ist unmöglich.


Die schönen Schulkleider und auch die Schulhemden der Buben sind weiß.
Da es in Sri Lanka sehr heiß ist, ist die Kleidung jeden Tag verschwitzt und staubig. Jeden Tag müssen die Sachen gewaschen werden. Mit Bürste und Kernseife versucht die Mutter vergeblich, den Stoff wieder weiß zu bekommen. Nach dem Trocknen, müssen die Kleider gebügelt werden, aber ein Bügeleisen nützt ohne Strom wenig, sie haben aber auch gar keins. Für Susila war es wie eine Strafe, wenn sie mit den schmutzigen, ungebügelten Kleidern zur Schule gehen musste. Die Sticheleien der Mitschüler und abwertenden Blicke konnte sie nicht mehr länger ertragen. Zudem war daheim niemand, der ihr bei den Hausaufgaben für die Schule helfen konnte. Auch war der Tisch in der Stube viel zu klein. Zuwenig Platz für alle vier Kinder zum Schreiben. Oft saß sie abends im Kerzenlicht zum Schreiben und Malen auf dem Fußboden.
Gern wäre sie weiter zur Schule gegangen, aber unter diesen Umständen war sie ganz froh, dass es den Eltern egal war, ob sie hinging oder nicht.

 

Verzweifelt überlegt die Mutter, wie sie Geld zum Überleben finden kann.
Da sind ja noch die reichen Touristen, denkt sie. Sie schickt die kleinen Kinder zum Betteln. In zerlumpten Kleidern halten sie den Touristen die kleinen, schmutzigen Hände hin und hoffen, dass die ihnen was geben. Dass ihre kleinen Kinder dabei ganz leicht auf die schiefe Bahn geraten können, bedenkt sie nicht. Skrupellose Touristen nutzen die armen Kinder als Drogenkuriere aus, aber auch unter der eigenen Bevölkerung gibt es genug zwielichtige Gestalten, die die Kinder zwingen für wenig Geld Straftaten zu begehen. Schnell merken die Kinder auch, dass man den eigenen Körper für Geld verkaufen kann. Allein kommen sie nicht mehr aus diesem Sumpf heraus. So ist es sogar ein Glück und zu ihrem eigenen Schutz, wenn sie von der Polizei aufgegriffen werden.

Erst dann wird die Familiensituation von den Behörden überprüft. In den meisten Fällen werden die Kinder den Familien weggenommen und auf Kinderheime verteilt.

 

Einige kommen dann auch ins Chathura-Kinderheim nach Mabotuwana.
Für diese armen Kinder ist es das große Los, wenn sie dann ein eigenes Bett haben, endlich genug zum Essen, ja sie dürfen sogar spielen. Gerne gehen sie jetzt auch zur Schule, denn daheim ist ja jemand, der sie bei den Hausaufgaben unterstützt. Stolz ziehen sie morgens ihre frisch gewaschenen und gebügelten Faltenröcke an. Keiner der Mitschüler sieht ihren Kleidern an, dass sie mittellos sind. Ja manche der Schüler sind sogar ein wenig neidisch, wenn sie hören, wie sorglos sie in unserem Kinderheim jetzt leben dürfen.

Erst wenn man als Tourist einmal über die Hotelmauern schaut, kann man sehen, dass das Tropenparadies Sri Lanka auch sehr viele Schattenseiten hat. Erst dann kann man auch beurteilen, welche große Hilfe unser Kinderheim für diese armen Kinder ist.

 

unsere Mädchen im Chathura-Kinderheim bedanken sich für Ihre Hilfe


Unsere Kinder sind sehr glücklich, dass es das Chathura-Kinderheim gibt und sie hier eine neue Zuflucht gefunden haben, in der sie behütet aufwachsen dürfen.
Sie bedanken sich von ganzem Herzen für diese wertvolle Unterstützung auf ihrem Lebensweg.